
Alle Jahre wieder – das Anweiden
(nick) Das Frühjahr und damit das Wachstum des Grases ist da und damit der Wunsch die Pferde wieder auf die Weide zu stellen. Immer wieder kommt es dann zu Diskussionen wie die Weidesaison eingeleitet werden soll. Hier soll ein kleiner Leitfaden helfen diese Phase ohne Probleme zu überstehen.
Problemlos geht es bei Offenstallpferden. Mit der beginnenden Vegetation fangen die Tiere auch an das frische Grün zu fressen und der Dickdarm hat die Möglichkeit mit dem Wachsen des Grases sich auf dieses einzustellen.
Warum müssen wir auf den Dickdarm achten? In ihm befindet sich eine riesige Menge an Mikroben (ca. 250.000.000.000.000) die sich auf die sich änderte Nahrung einstellen müssen. Mit jeder Änderung der Fütterung ändert sich die Umgebung für diese Mikroben. Der PH-Wert des Futterbreies spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Schwankungen dürfen nicht zu groß sein, da sonst Teile dieser Population absterben.
Was bedeutet dies für den Weideauftrieb?
Die Umstellung der Heufütterung auf Gras bringt mehrere Veränderungen. Das Gras enthält mehr Wasser als Heu und nimmt dadurch mehr Raum ein, also eine größere Menge Nahrungsbrei für dieselbe Menge Mikroben. Diese können diese Mehrarbeit nicht sofort leisten, da sie sich dazu erst vermehren. Wird ihnen diese Möglichkeit nicht gegeben kommt es zu Fehlgärungen im Dickdarm, also die so genannten Graskoliken. Ein Absterben der Mikroben und deren dadurch entstehenden Giftstoffe kann es zu Hufrehe kommen. Weitere unangenehme Folgen von Verdauungsstörungen sind angelaufene Beine, Durchfall, Kotwasser auch bei Ekzemerscheinungen wird eine Verbindung zu den Verdauungsstörungen vermutet.

Also was können wir tun?
10 Tipps zum Anweiden:
- Weide vor Anweidung auch auf Giftpflanzen kontrollieren ( Herbstzeitlose, Frühjahrskreuzkraut
- Das Anweiden von Stallpferden am besten mit kurzen Intervallen von 10 Minuten beginnen. Das kann am Anfang ja bei einem Spaziergang mit grasen an der Hand passieren. Die Zeit des Grasens langsam steigern bis zu stundenweisem Weidegang.
- Die Weidezeiten über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen langsam verlängern bis ganze Tage möglich sind.
- Den Kot kontrollieren. Kommt es zu Durchfall, Kotwasser oder deutlichem Geruch - die Weidezeit wieder verringern.
- Weidepferde sollten morgens nach Möglichkeit Heu bekommen. Kraftfutter nicht vor dem Weidegang füttern da der ph-Wert des Futterbreies durch die Kohlenhydrate bereits abgesenkt wird und die Umstellung auf Gras zusätzlich belastet ist. Dies gilt natürlich nur für Pferde die über Nacht im Stall stehen und über Tag auf die Weide gehen. Bei kompletter Weidehaltung entfällt dies.
- Pferde deren Anweidung unterbrochen werden musste und dadurch mehrere Tage nicht auf die Weide konnten, müssen wieder von vorne angeweidet werden.
- Pferde mit Auffälligkeiten in ihrer Vorgeschichte müssen natürlich besonders beobachtet werden.
- Über die Phase der Anweidung hilft z.Bsp. Fermentgetreide die Entwicklung der Mikroben zu unterstützen.
- Pferde nach kühlen Nächten nicht sofort am Morgen auf die Weide stellen, da dann der Fruktangehalt des Grases erhöht sein kann. Fruktan ist ein Zucker der den ph-Wert senkt.
- Auch auf der Weide muss den Pferden Wasser zur Verfügung stehen
