Und wieder blüht es gelb am Wegesrand
In diesem Frühjahr ist eine große Verbreitung einer schönen gelben Blütenpflanze an Wegen und Wiesenrändern zu sehen. Bei dieser schön blühenden Pflanze handelt es sich um das
Frühlingskreuzkraut (Senecio vernalis)
Das Frühlingskreuzkraut gehört wie das Jakobskreuzkraut und das Gemeine Kreuzkraut zu den Kreuzkräutern. Diese verschiedenen Arten des Kreuzkrauts enthalten die so genannten Senecio – Alkaloide, die als schwere Lebergifte gefürchtet sind. Es führt in den wenigsten Fällen zu akuten Vergiftungen. Im Allgemeinen handelt es sich um chronische Vergiftungen durch die Aufnahme von wenigstens 10 % des Körpergewichtes. Das Alkaloid (Alkaloide sind natürlich vorkommende, basische, stickstoffhaltige organische Verbindungen) Pyrrolizidin (Pyrrolizidinalkaloide sind eine Gruppe von rund 200 Alkaloiden, die vor allem in Korbblütlern, Raublattgewächsen und Hülsenfrüchtlern vorkommen) ist in der frischen UND im Heu vorhanden. Es wird durch die Trocknung des Grases nicht zerstört. Zu den bekannteren Pyrrolizidinalkaloiden gehören das in Greiskräutern enthaltene Senecionin, Senkirkin, Lypsopsamin und Lasiocarpin. Diese Alkaloide werden für eine Reihe von vor allem durch Greiskrautvorkommen auf Viehweiden verursachten Vergiftungen bei Rindern und Pferden verantwortlich gemacht. Toxisch wirken dabei nicht die Pyrrolizidinalkaloide selbst, sondern die Abbauprodukte der vor allem in der Leber abgebauten Verbindungen, die hepatoxisch sind und in hoher Dosierung zu tödlichen Leberfunktionsstörungen führen. Das Krankheitsbild der PA-Vergiftung ist in der Veterinärmedizin als Seneziose oder "Schweinsberger Krankheit" bekannt und wird meist durch Greiskrautbestand auf Weiden verursacht. Durch das Gift werden Hepatosen ausgelöst. Darunter versteht man Stoffwechselstörungen der Leberzellen mit einer ausgeprägten Gewebeschädigung und/oder Funktionsminderung. Die Tiere fallen in einen reduzierten Allgemeinzustand, verringertem Appetit bis zur Freßunlust und Verstopfung. Die Pferde zeigen ein typisches Gähnen. Die Schleimhäute sind zunächst blass später ikterisch (Ikterus = Gelbsucht). Mit fortschreitender Erkrankung treten Unsicherheiten im Gang auf bis zu einer ausgeprägten Ataxie. Als Ataxie werden bei Pferden Störungen der normalen Bewegungsabläufe und der Körperhaltung bezeichnet. Dies kann bis zu einer völligen Teilnahmslosigkeit führen. Die Tiere laufen schließlich mit dem Kopf gegen die Wand. Bei erkrankten Tieren kam es zu einer Überladung des Magens mit festen Futtermassen bis zur Ruptur (Ruptur =bezeichnet in der Medizin die Zerreißung oder den Riss eines inneren Organs).Die Sektion ergibt zirrhotische Leberveränderungen und Blutungen in den Leberläppchen. Diese Veränderungen sind irreversibel. Eine Therapie ist nicht möglich. Diese Vergiftungen führen also zu Tode des Pferdes. Ein wichtiger Grund die Augen offen zu halten und sich den Aufwuchs rund um den Reitplatz, Hof, Koppels und Wiesen genauer zu betrachten. Auf der Wiese nimmt ein erfahrenes Pferd diese Pflanzen wahrscheinlich nicht auf. Bei jungen unerfahrenen und bei sehr hungrigen Pferden kann es durchaus passieren, dass die Kreuzkräuter mit gefressen werden. Im Heu verlieren die Pflanzen ihren Geruch und zerbröseln durch die Heuaufbereitung. Dadurch haben die Pferde wenig Möglichkeit diese Pflanzen auszusortieren. Hier besteht die größere Gefahr der Anreicherung der Giftstoffe, die im Körper nicht abgebaut sondern angereichert werden.
Wie kann man die Pflanzen bekämpfen?
Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme ist es die Samenbildung der Pflanze zu verhindern. Wenn keine Samen ausfliegen können auch keine neuen Pflanzen entstehen. Betroffene Flächen also spätestens bei Blühbeginn mähen. Einzelpflanzen am besten durch Ausreißen oder Ausstechen entfernen. Pflanzen und Pflanzenteile dürfen nicht auf den Flächen verbleiben, sie müssen entfernt und am besten vernichtet werden. Auch die Pflanzen außerhalb der Weide an den Wegrändern und den Böschungen müssen entfernt werden.
Bei Zukauf von Heu sollte daher geklärt werden, ob das Heu nicht von einer solchen Fläche stammt. Treten auch nur einzelne Pflanzen auf sollte auf die Verfütterung dieser Ware verzichtet werden.
Auch eine chemische Bekämpfung der Pflanze ist mit verschiedenen Präparaten möglich. Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in den Bundesländern sollte in einem solchen Fall mit den Fachleuten der Landwirtschaftsämtern und –kammern Rücksprache gehalten werden.
Steckbrief:
Name: Frühlingskreuzkraut
Lat. Name: Senecio vernalis
Familie: Greiskräuter
Giftige Teile: ganze Pflanze
Giftigkeit: +++ (tödlich)
Dosis: 200-1000g/kg LM tödlich
Vergiftungen: Seneziose, Schweinsberger Krankheit
Verbreitung: Wegränder, extensive Weiden (Pferdeweiden)
Blüte: April/Mai
Verwandte: Jakobskreuzkraut
Helmut Nicklas , Dipl.Ing.agr.