Jakobskreuzkraut ( Senecio jacobaea),
Jakobskreuzkraut Blüte (Foto: H.Nicklas)

Schön und giftig, das Jakobskreuzkraut

(nick) In der letzten Zeit lässt eine Pflanze alle Pferdebesitzer aufhorchen- Jakobskreuzkraut! Wie sieht es aus? Was ist damit? Wie kann man es bekämpfen? Hier nun ein paar Fakten zu dieser Pflanze.

Das Jakobskreuzkraut ( Senecio jacobaea), auch unter dem Namen Jakobsgreiskraut bekannt, gehört in die Familie  der Korbblütler und wird zwischen 30 und 100 cm groß. Sie verbreitet sich auf extensiv genutzten Flächen, wie Stilllegungsflächen, Wegrändern und Böschungen. Auch extensiv genutzte Pferdeweiden gehören dazu. Mit ihrer Größe und der leuchtend gelben Blüte sieht man sie zwischen Mitte Juni und Mitte August mittlerweile vielerorts stehen. Das sehr häufige Auftreten der Pflanze in diesem Jahr ist auf den trockenen Sommer 2006 zurückzuführen. Die Trockenheit hat die sprunghafte Ausbreitung beschleunigt und das trockene Frühjahr 2007 die Entwicklung der Pflanzen unterstützt. Wie sie nun so schön gelb blühend anzusehen ist, ist sie auch eine der wohl zur Zeit für unsere Pflanzenfresser gefährlichsten Giftpflanzen. Sie ist als Frischpflanze, in der Silage und im Heu giftig. Im Gegensatz zu manch anderen im frischen Zustand giftigen Pflanzen wie Hahnenfuß verliert das Jakobskreuzkraut durch die Konservierung nichts von ihrer Giftigkeit. In der Pflanze sind verschiedene Pyrrolizin-Alkoloide enthalten deren Wirkung zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Gefährlichkeit beruht auch darin, dass sich diese Stoffe nicht abbauen sondern in der Leber ansammeln und dadurch chronische Lebererkrankungen auftreten und sich weiter verschlimmert. Das Alkaloid (Alkaloide sind natürlich vorkommende, basische, stickstoffhaltige organische Verbindungen) Pyrrolizidin (Pyrrolizidinalkaloide sind eine Gruppe von rund 200 Alkaloiden, die vor allem in Korbblütlern, Raublattgewächsen und Hülsenfrüchtlern vorkommen) ist in der frischen UND im Heu vorhanden. Es wird durch die Trocknung des Grases nicht zerstört. Zu den bekannteren Pyrrolizidinalkaloiden gehören das in Greiskräutern enthaltene Senecionin, Senkirkin, Lypsopsamin und Lasiocarpin. Diese Alkaloide werden für eine Reihe von vor allem durch Greiskrautvorkommen auf Viehweiden verursachten Vergiftungen bei Rindern und Pferden verantwortlich gemacht. Toxisch wirken dabei nicht die Pyrrolizidinalkaloide selbst, sondern die Abbauprodukte der vor allem in der Leber abgebauten Verbindungen, die hepatoxisch sind und in hoher Dosierung zu tödlichen Leberfunktionsstörungen führen. Das Krankheitsbild der PA-Vergiftung ist in der Veterinärmedizin als Seneziose oder "Schweinsberger Krankheit" bekannt und wird meist durch Greiskrautbestand auf Weiden verursacht. Durch das Gift werden Hepatosen ausgelöst. Darunter versteht man Stoffwechselstörungen der Leberzellen mit einer ausgeprägten  Gewebeschädigung und/oder Funktionsminderung. Die Tiere fallen in einen reduzierten Allgemeinzustand, verringertem Appetit bis zur Freßunlust und Verstopfung. Die Pferde zeigen ein typisches Gähnen. Die Schleimhäute sind zunächst blass später ikterisch (Ikterus = Gelbsucht). Mit fortschreitender Erkrankung treten Unsicherheiten im Gang auf bis zu einer ausgeprägten Ataxie. Als Ataxie werden bei Pferden Störungen der normalen Bewegungsabläufe und der Körperhaltung bezeichnet. Dies kann bis zu einer völligen Teilnahmslosigkeit führen. Die Tiere laufen schließlich mit dem Kopf gegen die Wand. Bei erkrankten Tieren kam es zu einer Überladung des Magens mit festen Futtermassen bis zur Ruptur (Ruptur =bezeichnet in der Medizin die Zerreißung oder den Riss eines inneren Organs).Die Sektion ergibt zirrhotische Leberveränderungen  und Blutungen in den Leberläppchen. Diese Veränderungen sind irreversibel. Eine Therapie ist nicht möglich.  Pferde sind in ihrer Reaktion auf dieses Kraut nicht allein, auch für Kühe, Ziegen und Schafe stellt es eine unmittelbare Gefahr dar. Die Tiere zeigen Magen – und Darmbeschwerden, Krämpfe, Aborte, Leberschädigungen bis hin zum Tod des Tieres. Aus der Schweiz werden folgenden Angaben zur tödlichen Dosis gemacht :

Pferd :   40 – 80 Gramm Frischgewicht pro Kilo Körpergewicht des Pferdes, für ein Quarter Horse von 550 kg bedeutet das zwischen 22 und 44 kg Frischpflanze oder 4 bis 8 kg im Heu

Rind :  140 Gramm Frischgewicht pro Kilo Körpergewicht

Schaf: über 2 kg Frischgewicht pro Kilo Körpergewicht

Ziege: 1,25 bis 4 Kilo Frischgewicht pro Kilo Körpergewicht

Wie aus diesen Zahlen ersichtlich ist reagieren die Pferde auf die kleinsten Mengen dieser Pflanze.

Ein einzelner Trieb einer ausgewachsenen Pflanze wiegt im Mittel 70 Gramm und bedeutet bereits eine große Gefahr für die Gesundheit der Pferde. In der Entwicklung der Pflanze kann es sein, dass junge Pferde sie im Rosettenstadium bereits fressen und somit auch den Grundstein für chronische Entwicklungen legen. Verfütterung der Pflanzen sollte auch deshalb absolut vermieden werden, weil eben bereits kleine Mengen erste Schäden mit einem folgenden chronischen Verlauf auslösen können. Pferde sollten nicht auf Weiden mit Jakobskreuzkrautbewuchs gebracht werden. Diese Flächen dürfen auch nicht zur Winterfuttergewinnung benutzt werden. Heu von solchen Flächen auf keinen Fall verfüttern. Die Pferde können auf der Wiese die Pflanzen unterscheiden aber im Heu haben sie keine Chance. Die Pflanze verliert im Heu nur ihren Geruch, nicht aber ihre Giftigkeit. Selbst wenn die Stängel der Pflanzen entfernt werden sind Blattanteile und Samen weiter in Heu verteilt und können nicht 100 % entfernt werden.

 

Verbreitung und Bekämpfung

Das Jakobskreuzkraut tritt in vielen Gebieten von Nordrhein Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen auf. An vielen Böschungen überragen die gelben Blüten im Moment den restlichen Bewuchs. Eine Pflanze produziert zwischen 150000 und 200000 Samen, die sich auf den extensiven Flächen verbreiten. Dazu gehören auch viele Pferdeweiden, die zum Teil nicht richtig gepflegt werden. Oftmals wird keine Nachmahd durchgeführt und die Pflanzen können sich entsprechend weiter entwickeln. Da sie von den Pferden auch mehr gemieden werden als von Rindern und Schafen ist sie auf Pferdeweiden auch häufiger anzutreffen und kommt daher auch öfters zum Aussamen. In überweideten Bereichen und Stellen mit beschädigter Grasnarbe durch Trittspuren finden diese Samen dann ihren optimalen Keim- und Aufwuchsplatz. Wie bekommt man das Zeug wieder runter? Da das Jakobskreuzkraut sehr empfindlich auf eine frühe oder intensive Nutzung reagiert bietet sich ein Wechsel zwischen Weide- und Schnittnutzung an um eine weitere Verbreitung wirksam zu unterbinden. Nachmahd der Weideflächen und eine Nachsaat auf Stellen ohne gesunde Grasnarbe um diese wieder herzustellen verhindert auch die Verbreitung, da der Samen keinen Platz zum Keimen findet. Die wichtigste Bekämpfungsmassnahme ist es die Samenbildung der Pflanze zu verhindern. Wenn keine Samen ausfliegen können auch keine neuen Pflanzen entstehen. Betroffene Flächen also spätestens bei Blühbeginn mähen. Einzelpflanzen am besten durch Ausreißen oder Ausstechen entfernen. Pflanzen und Pflanzenteile dürfen nicht auf den Flächen verbleiben, sie müssen entfernt und am besten vernichtet werden. Auch die Pflanzen ausserhalb der Weide an den Wegrändern und den Böschungen müssen entfernt werden. Bei Stilllegungsflächen sollte darauf geachtet werden, dass sie schnellstens nach dem 1. Juli abgemulcht werden. In diesem Jahr wurden diese Flächen aufgrund der Trockenheit im Frühjahr zur Futtergewinnung frei gegeben. Bei Zukauf von Heu sollte daher geklärt werden, ob das Heu nicht von einer solchen Fläche stammt. Treten auch nur einzelne Pflanzen auf sollte auf die Verfütterung dieser Ware verzichtet werden.

Auch eine chemische Bekämpfung der Pflanze ist mit verschiedenen Präparaten möglich. Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in den Bundesländern  sollte in einem solchen Fall mit den Fachleuten der Landwirtschaftsämtern und –kammern Rücksprache gehalten werden.

Neben Neuseeland und verschiedenen Regionen der USA ist vor allem in England das Jakobskreuzkraut wegen seines riesigen Vermehrungspotentials zu einem Hauptproblem der Viehhaltung geworden und wurde zur gefährlichen Pflanze erklärt. Damit ist jeder Landbesitzer in England dazu verpflichtet Jakobskreuzkraut zu bekämpfen um seine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Also Augen auf und den Bewuchs auf der Weide und in der Nachbarschaft der Weiden kontrollieren und gegebenenfalls die Pflanzen entfernen. Aber nicht auf den Kompost oder in die Ecke werfen, sondern vernichten

Fazit

- Jakobskreuzkraut ist giftig für Pferde, Rinder, Ziegen und Schafe

- Das Gift bleibt auch im Heu erhalten

- Die Aufnahme von geringen Mengen über lange Zeit ist ebenfalls sehr gefährlich

- Flächen mit Jakobskreuzkrautbewuchs dürfen nicht verfüttert werden

- Die Ausbreitung muss durch entsprechende Maßnahmen verhindert werden

- Nachmahd der Weiden und Verhinderung von Trittschäden

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